
Ein normaler Wochentag, gegen 9 Uhr. Er: „Ich hab’ nichts anzuziehen.“ Ich: „Willkommen in meinem Leben!“ Er: „Trägst du deshalb mein Lieblingshemd?“ Ich: „Sieh’s als Kompliment. Ich finde deine Sachen eben schön.“ Er: „Morgen will ich es zurück.“ Ich: „Ja, ja. Gibst du mir kurz deinen schwarzen Gürtel? Danke.“
Sollte mein Freund jemals dazu gezwungen sein, unsere Wohnung in meinen Jogginghosen zu verlassen, es wäre meine Schuld. Ich finde seinen Kleidergeschmack nämlich ausgezeichnet. Und er gibt selbst zu, dass eine Frau im Männerhemd aufregend aussehen kann (weniger aus rein modischen Gründen). Aber ich klaue neben seinen Hemden auch Pullover. Shirts. Und Sonnenbrillen. Manchmal vergreife ich mich sogar an seinen Jeans. Und das nicht nur, wenn ich selbst nichts zum Anziehen habe.
Meine Liebe zu Männerkleidung begann mit einer echten Romanze: Ich war 15, er 17, ein totaler Schuft, aber er hinterließ mir ein grünes T-Shirt , in dem ich mir plötzlich sehr erfahren vorkam. Der nächste Junge beeindruckte mich, indem er mich seinen St.-Pauli-Kapuzenpulli tragen ließ. Natürlich liebe ich meinen Freund nicht nur wegen seiner Garderobe. Aber ich mag, wie unkompliziert gute Männerkleidung ist. Man sieht ihr nicht sofort an, in welcher Saison sie gekauft wurde. Einer Frau ist sie meist etwas zu groß und deshalb nicht nur bequem, sondern lässig. Ein Männer-T-Shirt zu einem engen Rock und hohen Schuhen ist viel weniger offensichtlich und deshalb anziehender als ein enges Top mit Hammerausschnitt. Zweidrittel aus meinem Schrank zu einem Drittel aus seinem Schrank – die perfekte Garderobe für mich. Nur eines kann ich mir nicht leihen: seine Anzüge. Ich sehe darin aus wie in einer dieser Rollentauschkomödien …
Glücklicherweise ist die Mode unter dem Vorsitz von Designerin Phoebe Philo (arbeitet bei Céline; trägt gern Männerklamotten) ganz besessen davon, unstrapaziöse Kleidung zu entwerfen, die so tadellos ist wie von einem Herrenschneider, aber auf Frauen zugeschnitten: schlichte Röcke, Hemden, Mäntel und Anzüge, in denen man sich mühelos gut angezogen fühlt. Mein Freund findet diesen Trend ideal für mich. Natürlich tut er das. Er denkt, ich würde ihm dann nichts mehr klauen.
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Styling-Tipps:
- Eines sollte man sich bei den Männern nicht abgucken: Turnschuhe zum Anzug. Besser: Ballerinas, Halbschuhe, Pumps.
- Zum strengen Anzug nicht auch noch ein Männerhemd tragen, sondern eine Seidenbluse.
- Wer sich in diesem Look vorkommt wie eine Personalreferentin, trägt Hose und Jacke separat. Die Hose etwa zu einem fadenscheinigen Shirt, die Jacke zum kurzen Kleid (Pariserinnen haben diese Kombi aus seriös & sexy perfektioniert).
Veröffentlicht in Maxi


